Chapeau, lieber Mitarbeiter der HypoVereinsbank!

An dieser Stelle berichte ich gelegentlich auch über die zumeist schwierige Zusammenarbeit mit Banken. Immer wieder kommt es vor, dass kontoführende Banken rechtswidrig Erklärungen des Betreuers einfordern. Durch die Banken wird dann meist erklärt, dass ohne die entsprechenden Erklärungen, für die es keine Rechtsgrundlage gibt, kein Zugang zum Girokonto oder Online-Banking des Betreuten gewährt werden kann. Diskussionen mit Bankmitarbeitern sind an dieser Stelle erfahrungsgemäß nutzlos, so dass völlig überflüssige gerichtliche Verfahren betrieben werden müssen, um den Zugang zum Girokonto zu erhalten.

In einem neuen Betreuungsverfahren zeigte ich vor Kurzem die Betreuung der HypoVereinsbank an. Wie selbstverständlich forderte die Bank von mir die folgende Erklärung ein:

Der BdB hat hier ziemlich gut zusammen gefasst, was bei der „Zusammenarbeit“ zwischen Betreuern und kontoführenden Banken zu beachten ist. Eine derartige Erklärung kann vom Betreuer regelmäßig jedenfalls nicht eingefordert werden.

Bereits bezüglich der in der obigen Erklärung enthaltenden Verpflichtung, den Betreuerausweis einmal jährlich der Bank vorzulegen, hat der BGH schon am 30.03.2010 (XI ZR 184/09) entschieden, dass eine Bank nicht berechtigt ist, die Entgegennahme und vertragsgerechte Umsetzung rechtsgeschäftlicher Erklärungen des Betreuers eines Kontoinhabers von der Vorlage eines Betreuerausweises abhängig zu machen, wenn ihr der Ausweis einmal vorgelegt wurde.

Was nun erneut nach einer lästigen gerichtlichen Auseinandersetzung aussah, führte dank eines engagierten und kundenfreundlichen Mitarbeiters der HypoVereinsbank nunmehr zu einer Änderung der entsprechenden internen „Bankrichtlinien“. Der mit meinem Anliegen befasste Bankmitarbeiter erhielt von seiner Rechtsabteilung zunächst die zu erwartende Standard-Auskunft, dass über die eingeforderte Erklärung nicht zu diskutieren sei, recherchierte aber auf eigene Faust weiter und sorgte dafür, dass letztlich der Syndikusanwalt der HypoVereinsbank eingeschaltet wurde und die Rechtsabteilung endlich über die geltende Rechtslage aufklärte.

Einen so engagierten Mitarbeiter wie Herrn Bach bei der HypoVereinsbank in Hamburg-Blankenese können auch andere Banken dringend gebrauchen. Das würde nicht nur einigen Betreuern und Gerichten viel Arbeit ersparen, sondern auch dazu beitragen, dass die Banken im Ergebnis nicht die Kosten eines völlig überflüssigen Rechtsstreites tragen müssen.

Gutachter und die „ärztliche Schweigepflicht“

Die Sache ist eigentlich ziemlich klar: Auch ein ärztlicher Gutachter/Sachverständige hat über die ihm im Rahmen der Tätigkeit als Gutachter bekannt gewordenen zum persönlichen Lebensbereich gehörenden Geheimnisse Stillschweigen zu wahren (§ 203 StGB). Bei einer Verletzung solcher Privatgeheimnisse droht gem. § 203 Abs. 1 StGB Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Ein besonders erstaunlicher Fall ist mir nun im Bereich des Betreuungsrechts begegnet. Der Sachverständige, ein Arzt mit Erfahrung auf dem Gebiet der Psychiatrie, wurde vom Betreuungsgericht bestellt. Es ging um die Frage, ob die medizinischen Voraussetzungen zur Erweiterung der Betreuung um die Vermögenssorge mit Einwilligungsvorbehalt vorliegen.

Nahezu zeitgleich ermittelte die Staatsanwaltschaft Hamburg in einem Ermittlungsverfahren gegen meinen Betreuten. Auch in diesem Verfahren bestellte man – wie selbstverständlich – den selben ärztlichen Gutachter mit dem Auftrag zu klären, ob der Betroffene gem. §§ 20, 21 StGB schuldfähig ist. Eine (verminderte) Schuldfähigkeit hat häufig den negativen Beigeschmack, dass die Staatsanwaltschaft – auch bei kleineren Delikten – die Notwendigkeit der Unterbringung in einem forensischen Krankenhaus prüft.

Der Sachverständige rief mich nun an, um mit mir über den aktuellen Lebenssachverhalt meines Betreuten zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nichts von dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren und durfte davon ausgehen, dass der Anruf aufgrund des Auftrages des Betreuungsgerichts erfolgt. Insoweit berichtete ich dem Sachverständigen auch von einer erneuten Straftat, von der mein Betreuter seiner Fachkraft der ambulanten Sozialpsychiatrie berichtet haben soll. Erst am Ende des Telefongesprächs erwähnte der Sachverständige nunmehr, eigentlich wegen eines Auftrages der Staatsanwaltschaft angerufen zu haben, so dass ich nach Rücksprache mit dem Betreuungsgericht ein Schreiben an den Sachverständigen verfasste, in dem ich darauf hinwies, dass die Informationen aus dem Telefongespräch nicht für die Staatsanwaltschaft bestimmt waren und aus meiner Sicht auch eine massive Interessenkollision besteht. Der Sachverständige ließ sich davon wenig beeindrucken und verwendete für sein Gutachten im Ermittlungsverfahren nicht nur sämtliche Informationen, die ihm zuvor aus den Akten des Betreuungsgerichts bekannt geworden waren, sondern klärte die Staatsanwaltschaft auch über sämtliche Inhalte unseres Telefongesprächs mit der Folge auf, dass die Staatsanwaltschaft mich nun über die Polizei als Zeugen vernehmen lassen will.

Ich habe für meinen Betreuten bei der Staatsanwaltschaft inzwischen Strafantrag gestellt und auch eine berufsrechtliche Beschwerde an die zuständige Ärztekammer gerichtet.